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16.09.2015 08:35 Alter: 252 days
Autor: Martin Brosy

Ölpreis - steht der WTI Future vor einem Reversal?

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Reutlingen (www.boersenpoint.de): Das Hoch des Preises für die nordamerikanische Rohölsorte WTI betrug in 2014 112 US Dollar je Barrel. Heute notiert der Ölpreis in Form des Futures Kontrakts (Oktober) bei 42,35 US Dollar je Barrel. Das macht 70 US Dollar Verlust innerhalb eines Jahres und 3 Monaten. Und ein Ende ist laut der Weltbank noch nicht in Sicht. Der Ölpreis Verfall soll sich wohl noch weiter fortsetzen.

Als Hauptgrund für den fallenden Ölpreis, wurde unter anderem die Überversorgung identifiziert. Zwar stagniert die Nachfrage nach Öl nachweislich nur minimal, da selbst Chinas Ölimporte trotz schwacher Konjunktur stabil geblieben sind. Das Angebot lässt sich dennoch auch im Laufe des Jahres 2015 nicht drücken. 

Nach anfänglichen Schließungen von Ölbohrplattformen und Raffinerien in den USA aufgrund nicht mehr lohnender Fördermethoden (Fracking), scheint sich die Anzahl der wieder in Betrieb genommenen Produktionsstätten aktuell zu erhöhen. Weitere Faktoren für eine Überversorgung sind der erfolgte Iran Deal sowie die Uneinigkeit innerhalb der OPEC zur Stabilisierung des Ölpreises. Und nicht zuletzt der starke US Dollar. 

Technische und fundamentale Perspektiven 

Aus der technischen Perspektive, gab es in diesem Abwärtstrend drei Versuche in denen sich der Ölpreis stabilisierte. Zum einen der leichte Aufwärtstrend, der Ende Januar begann. Zeitgleich mit dem aufgelegten QE (Quantitative Easing) der EZB sowie den Erwartungen daran, dass die OPEC den Ölpreis stabilisieren würde. 

Der zweite Versuch erfolgte zum Anfang des zweiten Quartals. Hier kamen neue Gespräche um die Ölpreisstabilisierung seitens der OPEC auf die Agenda sowie eine steigende Inflation in der EU und China. Vor allem der wieder positive Verbraucherpreisindex beeinflußte die Erwartungen enorm, denn so gut wie alle Rohstoffe schienen sich in diesem Zeitraum zu erholen. Möglicherweise trug die Kapitalumschichtung nach den starken Zugewinnen an den Aktienmärkten im ersten Quartal zum Anstieg im Ölpreis bei.

Die Erwartungen wurden jedoch von der politischen Krise in der EU um Griechenland überschattet. Auch China konnte die anfänglich positiven Daten im Verlauf nicht bestätigen. Der Iran Deal kam ins Gespräch und das Re-Fracking wurde zum Thema in den USA. Eine neue Methode, die weniger Kosten bei der Förderung verursachen sollte und damit neue Kreditfinanzierungen möglich macht. 

Rohstoffe, vor allem Metalle, gaben ihre Gewinne wieder ab. Fallende Kupfer- und Aluminiumpreise als Konjunkturindikatoren für den chinesischen Markt und damit die globale Industrie, sorgten für einen Absturz auch beim Ölpreis. Zudem entwickelte sich nun die Inflation mehr oder weniger unverändert. Der eigentliche Katalysator war jedoch der fast besiegelte Iran Deal

Der zweite Versuch wurde durch den RSI Indikator frühzeitig signalisiert. Der Indikator bildete eine bullishe Divergenz aus. Die fundamentalen Gründe für eine Überversorgung bremsten den Trend jedoch vorzeitig. Bei 60 US Dollar je Barrel war der Deckel drauf. Die anfängliche Schwäche (Seitwärtsphase um 60 US Dollar) entwickelte sich anschließend an den Iran Deal zum einem erneuten, dynamischen Schub nach unten. 

Aktuelle Lage

Auch diesmal haben wir eine bullishe Divergenz zwischen dem RSI Indikator und dem Ölpreis auf Wochenbasis. Divergenzen auf technischer Basis, die das Momentum betreffen, ereignen sich aktuell in allen Untersektoren der Energie- und Rohstofftitel. Ein mögliches Signal für ein Reversal?

Der in den letzten zwei Wochen erfolgte Anstieg kann möglicherweise auf folgende Faktoren zurück geführt werden. Zum einen sollen laut dem EIA (Energie Information Administration) die Vorräte geringer sein, als vorher veröffentlicht. Die Behörde nutzt eine neue Methode zur Festlegung. 

Des weiteren soll die OPEC nun laut der letzten Bekanntmachung daran interessiert sein die Förderung zu kürzen, um den Ölpreis zu stabilisieren. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich andere Länder wie Russland und Brasilien daran beteiligen. Das Ganze schürt natürlich Erwartungen. Denn trotz der genannten Faktoren bleibt das Angebot weiterhin erhöht. 

Was sagen die COT Daten?

Der Commitments of Traders Report (COT), der von der Aufsichtsbehörde CFTC, in einem wöchentlichen Turnus veröffentlicht wird, stellt die drei Gruppen der positionierten Händler an den US Amerikanischen Terminbörsen dar. Die drei Gruppen teilen sich in die Commercials, Spekulanten und die kleinen Spekulanten auf. 

Die Analyse der Positionierungen dieser Gruppen kann besonders bei Rohstoffen aufschlussreich sein. In der Regel betrachtet man die zwei Gruppen Commercials und Spekulanten. Erstere sind die Hedger, die sich gegen steigende oder fallende Preise absichern und letztere sind die Anleger, die von steigenden oder fallenden Preisen profitieren möchten. 

Vor allem die Commercials aber, sind die Marktteilnehmer, die bessere Informationen besitzen und damit ein Sentiment darstellen, dessen Positionierungen man sich anschauen sollte. Das folgende Chart zeigt die Netto-Positionierungen (Longs minus Shorts) der Commercials. Befinden sich die Positionen im negativen Bereich, so sind mehr Shorts im Markt vorhanden als Longs. Anzumerken ist, dass sich die Netto-Positionierung der Commercials so gut wie immer im negativen Bereich befindet.

Es fällt auf, dass die Nettoshort-Positionierung seit ungefähr Ende Mai, Anfang Juni 2014 rasant abgenommen hat. Das passt vom Zeitpunkt her auch zum Beginn des Verfalls im Ölpreis. Genaugenommen bedeutet es, dass entweder mehr Short-Positionen abgebaut oder mehr Long-Positionen aufgebaut wurden. Im nächsten Chart sind die Long und Shorts einzeln eingezeichnet. 

Es fällt auf, dass in diesem Fall die Shorts deutlich weniger wurden, während Longs nur geringfügig abgenommen haben. Im Zeitraum Ende 2014, Anfang 2015 stiegen sowohl Shorts als auch Longs an. Das geschah zum Zeitpunkt als der Preis sich das erste Mal stabilisierte. Der zweite Versuch, obgleich stärker ausgeprägt, ist in den Positionierungen nicht deutlich erkennbar. 

In den letzten Wochen haben die Shorts allerdings wieder abgenommen, während Longs wie gewohnt auf gleichem Niveau verbleiben. Für einen weiteren Schub nach unten im Ölpreis, müssten sowohl Shorts als auch  Longs abnehmen und sich wieder in Richtung Nulllinie bewegen. Sinken dagegen beide, womöglich sogar unter bzw. über die eingezeichneten Trendlinien, so könnte sich ein starker Rebound im Preis ergeben.

Fazit- An der Wegscheide?

Der Ölpreis ist momentan sehr stark von Erwartungen geprägt. Jede noch so kleine Neuigkeit wird ausgenutzt. Was gern mal übersehen wird ist, dass ein Anstieg oft durch einen Short Squeeze begleitet wird. Fundamental gesehen ist das Angebot gegenüber der Nachfrage allerdings immer noch sehr hoch. 

Die COT Daten jedenfalls zeigen eine mögliche Wende an. Sollte der langfristige Trend fallender Shorts und Longs weiterhin bestehenbleiben, was sich in den nächsten Wochen zeigen wird. So ist von weiter fallenden Preisen auszugehen. Andererseits könnte ein erneuter Aufbau zu höheren Preisen führen. 

Aus der Perspektive der Markttechnik, wäre der Bereich ab 50 US Dollar wieder interessant, vor allem weil auch der RSI Indikator aktuell auf mehreren Zeitebenen eine bullishe Divergenz ausbildet. Handelbar ist der Ölpreis entweder über dir Futures Börse oder über die metatrader 4 Plattform, die von vielen FX Brokern wie AVA-Trade kostenfrei zur Verfügung gestellt wird.

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Über den Autor (*)

Martin Brosy

Martin Brosy
Boersenpoint

Martin Brosy betreibt die Börsenplattform und das Börsenspiel www.boersenpoint.de . Mit dem Beginn seines BWL-Studiums 2009 fing Herr Brosy damit an Aktien und Devisen erfolgreich zu traden.
Als Chefredakteur von Boersenpoint veröffentlicht er täglich seine Gedanken zu interessanten Aktien und komplexen Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

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