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14.07.2017 15:50 Age: 130 days
Autor: Martin Brosy

Marktanalyse: Anleger sind noch zögerlich

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Nach der gestrigen Kongressanhörung von US-Notenbankchefin Janet Yellen konnten die Börsen einen kleinen Aufschwung mitnehmen. Nach der Ankündigung von Yellen, die USA würden an ihrem Kurs vorsichtiger Zinserhöhungen festhalten, stieg der Dow Jones sogar zwischenzeitlich auf das Rekordhoch von 21.580 Punkten. Deutsche Aktien konnten den Schwung indes nicht mitnehmen und laborieren an unterschiedlichen Problemen. Wir stellen die Erklärungen der Fed zusammen und zeigen die Auswirkungen auf einzelne Anlagen an der Börse in einer kleinen Marktanalyse auf.

Trading-Chart mit Candlesticks vor willkürlichen Zahlen

Bild: Die Aussagen von Fed-Chefin Yellen sind ein wichtiger Indikator für die Weltwirtschaft, da sie das geld- und wirtschaftspolitische Vorgehen der USA beschreiben. Bildquelle: JensHN – 489205723 / Shutterstock.com

Erklärungen der Fed bewirken leichten Aufschwung

Gestern wurde der halbjährliche Rechenschaftsbericht für den US-Kongress von US-Notenbankchefin Janet Yellen vorgestellt. Yellen erklärte, dass die USA die Leitzinsen weiter leicht anheben werden. Das Wirtschaftswachstum werde in den nächsten Jahren weiterhin gemäßigt ausfallen und sei damit stabil genug, um weitere Erhöhungen zu verkraften.

Die letzte Leitzinserhöhung datiert auf den 14. Juni. Bereits da hat die Fed eine weitere Anhebung für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Allerdings ist laut der Notenbankchefin kein großer Anstieg der Leitzinsen nötig, um zu einer neutralen Geldpolitik zurückzukehren. Neben der Zinserhöhung im laufenden Jahr rechnen Experten mit zwei weiteren Zinsschritten in 2018.

Auch der massive Aufkauf von Staatsanleihen zur Unterstützung der Konjunktur werde in Kürze invertiert. Die Bilanzsumme der US-Notenbank ist seit der Finanzkrise 2007 von 800 Milliarden Dollar auf über vier Billionen angestiegen. Nun ist also bald der Zeitpunkt gekommen, dass die Bilanz wieder abgebaut wird.

Problemstelle ist hingegen das Lohnniveau in den USA. Hier hoffen die Experten, dass die weiterhin wachsende Wirtschaft auch einen positiven Effekt auf die Löhne haben wird. „Ein Anstieg des Lohnniveaus wird sich auch auf die Verbraucherpreise auswirken. Die Inflation würde anziehen, was auch im Interesse der Fed ist. Die gewünschte Inflationsrate liegt bei 2 Prozent.“, so ein Analyst von www.forex.de, der zugleich auf den bullischen Effekt bei Aktien hinweist, wenn die Inflationsrate steigt. Die aktuelle Inflationsrate der USA liegt bei 1,87 Prozent (Mai 2017). Für Aktienbesitzer ist eine Inflationsrate um die 5 Prozent am besten, zeigen verschiedene Studien.

Die Reaktionen der Börsen

Die Börse reagierte auf diese Aussagen zunächst mit Wohlwollen. In erster Linie wurden damit Anleger auf dem US-amerikanischen Markt zum Kaufen angeregt. Während der Dow Jones gestern kurzzeitig ein neues Rekordhoch erreichen konnte, hat der US-Dollar auch mit politischen Problemen zu kämpfen. Meldungen über den Sohn von US-Präsident Donald Trump drückten den Dollarpreis.

Neuigkeiten gibt es auch bei den Rohstoffen zu verzeichnen. Zunächst konnte sich der Ölpreis gestern erholen, die Notierungen für Brent und WTI stiegen um knapp zwei Prozent. Die Verknappung des Angebots sorgte für einen Anstieg der Kurse. Saudi-Arabien hat seine Ölfördermenge zuletzt gedrosselt und es erschienen Meldungen, dass die Ölreserven in den USA stark zurückgehen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) veröffentlichte heute ihren monatlichen Ölmarktbericht, was wieder zu einem Sinken des Ölpreises führte. Denn die IEA geht davon aus, dass die Balance von Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt noch abzuwarten ist. Der Ölmarkt wird vorerst überversorgt bleiben.

Die Ölproduktion der OPEC-Staaten stieg im Juni um etwa 400.000 Barrel auf 32,6 Millionen Barrel pro Tag an. Im vorherigen Monatsbericht ging die IEA aufgrund einer beschlossenen Erweiterung der Förderkürzungen der OPEC-Staaten noch von einem schnelleren Erreichen der Balance aus.

Unternehmen aus dem DAX und MDAX

Auf dem deutschen Markt hat sich auch einiges getan. Die Nebenwerte Südzucker und der Verpackungsspezialist Gerresheimer haben heute neue Wirtschaftszahlen bekanntgegeben. Daraufhin konnten einige Zuwächse verzeichnet werden, jedoch wurden diese im Laufe des Tages pulverisiert. Beide Aktien verloren im Vergleich zum Vortag knapp zwei Prozent.

Das abgelaufene Geschäftsquartal (bis Ende Mai) lief für Gerresheimer nicht optimal. Aufgrund der US-Gesundheitsreform musste das Unternehmen Rückgänge bei Umsatz und Gewinn verkraften. Der Umsatz sank im letzten Quartal um 2,2 Prozent auf 339,5 Millionen Euro. Der Gewinn brach sogar um 13,3 Prozent ein und lag bei 25,1 Millionen Euro. Das laufende Geschäftsjahr soll dennoch mit einem operativen Gewinn von 320 Millionen Euro und einem Gesamtumsatz von 1,4 Milliarden Euro abgeschlossen werden. Die Jahresziele werden damit allerdings nicht erreicht, was auch zu der entsprechenden Reaktion der Anleger führte.

Südzucker hingegen konnte seine Stellung am Markt verbessern und Steigerungen im ersten Quartal des Geschäftsjahres bei Umsatz und Gewinn verzeichnen. Die Erlöse stiegen von 1,61 auf 1,78 Milliarden Euro und die Gewinne von 110 auf 153 Millionen Euro. Jedoch sind die Anleger skeptisch, wie sich die zukünftige Entwicklung darstellt. Ende September läuft die Zuckermarktordnung der EU aus, die fast 50 Jahre lang Mindestpreise und Produktionsquoten für Zuckerrüben festlegte. Nach dem Ablauf herrscht weltweiter Wettbewerb, so dass die Zuckerpreise in der EU voraussichtlich sinken werden.

Auch in die Aktien des DAX kam heute Bewegung. Zunächst wurden allgemein Kursgewinne verzeichnet, die im Laufe des Nachmittags jedoch wieder zurückgingen. Vor allem die Aktie von Daimler steht aktuell im Mittelpunkt. Nachdem gestrige Meldungen erschienen sind, der Konzern habe seit 2008 massive Manipulationen bei dieselbetriebenen Autos durch eine Software vorgenommen, konnte sich die Aktie zeitweise erholen, verlor dennoch etwa ein Prozent. So langsam sollten derlei Meldungen niemanden mehr überraschen, Auswirkungen auf die Aktien hat dies aber allemal.

Ausblick und Erwartung

Insgesamt bleibt der DAX nahezu unverändert im Vergleich zum Vortag. Der kleine Stimmungsaufheller von der US-Notenbank hat also aktuell keine großen Auswirkungen auf den wichtigsten deutschen Aktienindex. Ob der heutige, zweite Auftritt von Yellen vor dem Bankenausschuss des Senats Auswirkungen auf die Börse haben wird, kann indes bezweifelt werden. Experten rechnen nicht mit großen Neuigkeiten nach der Bekanntgabe von gestern.

Einen größeren Einfluss auf die Kurse dürften die für morgen anstehenden Berichte der US-Großbanken haben. Freitag geben JPMorgan, Wells Fargo und die Citigroup ihre Wirtschaftsdaten bekannt, so dass wir noch einmal Spannung vor dem Wochenende erleben könnten. Für Anleger und Investoren bleibt es also wie immer: äußerst spannend.

Bildquelle: JensHN – 489205723 / Shutterstock.com

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Über den Autor (*)

Martin Brosy

Martin Brosy
Boersenpoint

Martin Brosy betreibt die Börsenplattform und das Börsenspiel www.boersenpoint.de . Mit dem Beginn seines BWL-Studiums 2009 fing Herr Brosy damit an Aktien und Devisen erfolgreich zu traden.
Als Chefredakteur von Boersenpoint veröffentlicht er täglich seine Gedanken zu interessanten Aktien und komplexen Volkswirtschaftlichen Zusammenhängen.

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