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Wohlfahrtskonsequenzen von externen Effekten

In meiner letzten Vorlesung „Markt und Staat“ haben wir ein sehr interessantes und Kontroverses Thema besprochen, Wohlfahrtskonsequenzen von externen Effekten. Klingt im ersten Moment wenig spektakulär, aber eben nur im ersten Moment.

„Ist Umweltschutz aus Volkswirtschaftlicher Sicht sinnvoll?“

Betrachten wir einmal ein volkswirtschaftliches Modell, dieses basiert auf folgende Annahmen: Es existieren an einem Fluss zwei Unternehmen, ein Fischereibetrieb und ein Chemieunternehmen. Das Chemieunternehmen pumpt seine Abwässer direkt in den Fluss wo der Fischereibetrieb seine Fische fängt. Je mehr ungeklärte Abwässer in den Fluss gelangen umso höher ist der Aufwand für den Fischereibetrieb seine Fangquote aufrechtzuerhalten. Kurz: Je mehr Abwässer in den Fluss gelangen, umso weniger fängt der Fischer bei gleichem Aufwand. Dem Staat, als wohlwollenden Diktator ist daran gelegen die Abwassermenge so zusteuern, sodass keine Wohlfahrtsverluste auftreten.

Ich habe hier einmal eine Grafik hochgeladen:

Wohlfahrtskonsequenzen von externen Effekten

An der Y- Achse ist der Grenzvorteil/ Grenznachteil und an der X- Achse  die Abwassermenge abgetragen. Die Rote- Linie stellt den Grenzvorteil der Chemiefirma des Abwassers dar. Oben links bedeutet das genau: Mit jeder weiteren Einheit, die die Chemiefirma an Abwasser ungeklärt in den Fluss abpumpt sinkt der Grenzkostenvorteil. Unten rechts bedeutet das genau: Hier hat die Chemiefirma ihr gesamtes Abwasser ungeklärt in den Fluss gepumpt, deshalb gibt es kein Grenzkostenvorteil mehr. Einfach ausgedrückt, oben links hat das Chemieunternehmen sehr viel höhere Kosten als unten rechts, denn unten rechts sind keine Kosten durch Klärung des Abwassers angefallen.

Unten links hat der Fischer keinen Grenzkostennachteil, denn das Chemieunternehmen klärt das gesamte Abwasser und der Fischer muss nicht mehr Aufwand investieren. Oben rechts hingegen hat der Fischer einen enorm hohen Grenzkostennachteil, denn das Chemieunternehmen klärt kein Abwasser und das belastet den Fischfang erheblich.

Der Wohlfahrtsverlust, welcher Auftritt wenn der wohlwollende Diktator beispielsweise dem Chemieunternehmen erlaubt alle Abwässer ungeklärt in den Fluss zu spülen wird rechts durch das Dreieck dargestellt. Wenn der Staat dem Chemieunternehmen verbietet ungeklärte Abwässer in den Fluss zu spülen stellt das Linke Dreieck den Wohlfahrtsverlust dar. In dem Schnittpunkt beider linearer Verläufe liegt also das OPTIMUM. In diesem Punkt treten keine Wohlfahrtsverluste auf und die soziale Wohlfahrt ist maximal.

Jetzt stellt sich die Frage:

„Wie kann der wohlwollende Diktator dieses Optimum (Sopt) gewährleisten?“

Dafür gibt es sechs Internalisierungsstrategien, diese möchte ich jetzt kurz anschneiden.

  1. Moralische Apelle
  2. Kollektive Bereitstellung
  3. Ge- und Verbote, Auflagen
  4. Emissionsbesteuerung
  5. Definition von Eigentumsrechten
  6. Handelbare Zertifikate, deren Besitz die schädigende Aktivität gestattet

Der Moralische Apell als solcher ist recht wirkungslos, erst der verstärkte Druck einer Gesellschaft kann das Chemieunternehmen dazu bringen im Optimum zu produzieren. Wenn beispielsweise durch die Medien zum Boykott des Chemieunternehmens aufgerufen wird. Dann sieht sich das Unternehmen in seinem Gewinn bedroht und wird sein Image wieder verbessern wollen. Folglich wird es weniger Abwässer ungeklärt  in den Fluss ablassen. Diese Methode erlaubt aber keine genaue Steuerung auf Sopt.

Die Kollektive Bereitstellung verfolgt folgenden Ansatz, der wohlwollende Diktator fasst einzelne in Beziehung stehende Unternehmen zusammen. Das ist zu einem sehr dirigistisch und auch nicht umsetzbar.

Ge- und Verbote stellen auch keine echte Alternative dar. Im Modell wäre dieser Ansatz noch vorstellbar, aber wenn wir 5 Chemieunternehmen am Fluss hätten wäre das schon wieder unmöglich. Dann würde man für jedes Unternehmen eine bestimmte ungeklärte Abwassermenge, welche sie in den Fluss pumpen könnten festlegen. Die Folge wäre, jedes große Unternehmen würde Subunternehmen gründen. Außerdem würden auch nicht die unterschiedlichen Kosten zur Klärung des Wassers berücksichtigt.

Die Emissionsbesteuerung, auch bekannt als Pigou Steuer wäre ein sehr interessantes Lenkungsinstrument. Der wohlwollende Diktator würde auf jede nicht geklärte Abwassereinheit eine Steuer erheben. Das Chemieunternehmen würde dann solange produzieren, bis der Grenzvorteil einer Abwassereinheit der Steuer für diese entspricht.

Aber auch die Definition von Eigentumsrechten oder die handelbaren Zertifikate sind ein denkbarer Ansatz.

Das Problem der „optimalen Verschmutzung“ lässt sich auch auf beliebig andere Fragestellungen übertragen. Aus ethischer Sicht handelt es sich hier um eine sehr fragwürdige Tatsache, aus Volkswirtschaftlicher Sicht ist eine Verschmutzung aber durchaus legitim.

Ähnlich verhält es sich mit der Legalisierung von Drogen oder beim Gesundheitssystem. Drogen sind beispielsweise Billigprodukte, die teuren Preise beinhalten lediglich einen enormen Risikozuschlag. Wenn man Drogen erlauben würde, dann würd der Markt dafür auf langfristiger Sicht zerstört werden. Das Gesundheitssystem, wollen wir uns mit einer Grundsicherung zufrieden geben, wo man viel Zuzahlen muss oder sind wir bereit für ein komplett Paket 50% unseres Einkommens zu bezahlen? Das möchte ich hier natürlich nicht klären, aber erwähnen wollte ich es trotzdem.

Martin Brosy

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