Griechenland ist pleite – zieht Europa nun nach?
Über 50 Prozent Auftragseinbruch im Schiffbau – dem wichtigsten Industriezweig des Landes, über 140 Prozent Zuwachs bei ungedeckten Schecks im vergangenen Jahr, Demonstrationen unzufriedener Bürger auf den Straßen und hilflose Politiker, die stets die Scherbenhaufen ihrer gechassten Vorgänger übernehmen müssen:
Griechenland ist pleite und droht nun mit seiner schwachen Wirtschaft andere wackelige Volkswirtschaften wie Irland, Spanien und Portugal mitzureißen – doch die abschätzige Abkürzung PIGS wird wohl bald um ein weiteres „I“ mit extra-breitem Lächeln erweitert, denn auch das sonnige Italien wird längst von der nahenden Insolvenz überschattet.
Der Kern des Problems
Während Griechenland in erster Linie die Übersicht von Verbindlichkeiten für Staatsgarantien verlor und wirtschaftlich schlichtweg nicht mit den hohen Auflagen einer EU-Mitgliedschaft mithalten konnte, rauschten Portugal und Spanien nach dem Bio-Boom im Agrarsektor direkt von der natürlichen Rezession in die Wirtschaftskrise. Irland traf es jedoch weitaus härter, frei nach dem Prinzip „wer hoch fliegt, der fällt auch tief“: die lächerlich lockeren Regulierungen auf dem Finanzmarkt ließen Dublin zu einem wahren Klondyke der Bankenbranche aufsteigen, doch auch hier ist der Goldrausch nun vorbei und die Wirtschaft leidet einen schweren Kater.
Mitgefangen, mitgehangen: Der Euro, das Bündnis und seine Folgen
Alle wirtschaftlich bedrohten Staaten glänzen als EU-Mitglieder vor allem mit schlechten Bilanzen. Griechenland war sogar so schlecht gestellt, dass sich Athen jahrelang gezwungen war, Brüssel mit gefälschten Daten zu füttern, um das Abkommen zu erfüllen.
Ziel des Euro war damals übrigens unter anderem, dass schwache Mitglieder in wirtschaftlich schwachen Zeiten von den Stärkeren Mitgliedern mitgetragen werden. Interessanterweise wird nun diskutiert, ob Griechland nun aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden sollte – was das Problem des Landes noch längst nicht lösen würde. Fest steht, dass bereits beim Übergang der EG zur EU die wirtschaftliche Position Griechenlands bekannt war und Kritiker vor der schwachen Wirtschaft ausdrücklich gewarnt hatten.
Reaktionen an der Börse
Der griechische Index Athex, der recht breit gefächert ist und viele Unternehmen vereint, verlor annähernd 10 Prozent seines Werts. Der Index gibt einen guten Querschnitt aller Branchen wieder und vermittelt so weitaus genauer als beispielsweise der DAX, wie die Stimmung im Land ist.
Der Euro bekam die Unsicherheit promt zu spüren: Die meisten Händler warten erst einmal ab und schauen in aller Ruhe zu, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln, bevor sie wieder ins Marktgeschehen eingreifen. Statt dessen konnte der US-Dollar in der vergangenen Woche wieder ein leichtes Plus verzeichnen, vermutlich da er für viele Devisenhändler die nächstbeste, etwas sicherere Wahl auf einem relativ ähnlichen Markt darstellt. Der Dax verlor entsprechend seiner engen Verbindung zum Euro: Händler fürchten eine Abwertung im gesamten Euro-Raum, manche sprechen gar von einer drohenden „Euro-Krise“.
Quellen:
Griechenlands Wirtschaft und Branchen
