Börsenstrategien – Sell in Summer
In meinem zweiten Teil Börsenstrategien möchte ich mich mit der „Sell in Summer“ – Strategie befassen. Angesichts folgender Ereignisse ist diese Strategie gar nicht so unpraktikabel: Asienkrise im Sommer 1997, Russlandkrise im August 1998 und die Lehman Pleite im September 2008. Diese Strategie gehört genauso wie die MACD- Methode zu den Timingstrategien. Die „Sell in Summer“ Strategie definiert für den Anleger klare Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte. Laut der deutschen Variante dieser Börsenstrategie soll der Investor am 31.Juli seine Positionen verkaufen und am 1. Oktober wieder einsteigen. Die Amerikanische Variante hingegen hält folgende Ein- und Ausstiegspunkte für angemessen:
„Sell in May and go away, but remember to come back in September.”
Mögliche Positionen können das DAX-ETF von iShares (WKN:593393) oder das Zertifikat von der Royal Bank of Scotland (WKN: ABN8ML) sein. Das bedeutet, dass diese Strategie im Gegensatz zur MACD- Börsenstrategie für Einzelwerte eher ungeeignet ist. Am Ende des Artikels werde ich noch meine eigenen Vorschläge für die Formulierung der Börsenweisheit vorlegen.
Sell in Summer – statistisch erwiesen?
Im Folgenden habe ich einen Chart vom DAX und vom Swiss Market Index hochgeladen. Über die 12 Kalendermonate wird zur Basis 100 die Prozentuale Durchschnitts- Veränderung dargestellt. Der erste Tag stellt mit 100 Prozent den ersten Januar dar, steigt im folge Tag der dargestellte Indizes im abgebildeten Durchschnitts- Zeitraum um ein Prozent so erreicht er die Marke 101 Prozent. Das ist also relativ simpel.
Beim DAX- Seasonal 33 Years sieht man sehr gut, dass sich ein Ausstieg Ende Juli und ein Einstieg Anfang Oktober lohnt. Beim SMI- Seasonal 19 Years läst sich die Strategie sogar noch besser anwenden. Diese Strategie ist also wahrscheinlich alles andere als eine Weisheit, durch konsequentes Einhalten der Ein- und Ausstiegszeitpunkte konnte man mit dem DAX eine jährliche Rendite von 14,1 Prozent über 20 Jahre machen. Ziemlich beeindruckend, wie ich finde. Die aus den USA stammende Strategie, dass man im Mai verkaufen soll und im September wieder Einsteigen soll kann ich persönlich aufgrund der vorliegenden Daten nicht nachvollziehen. Ich habe mal die Seasonal- Charts vom Dow Jones, S&P 500 und NASDAQ hochgeladen. Ich denke diese Variante ist auf die amerikanischen Indizes absolut nicht anwendbar. Maximal die Juli-Oktober-Variante kann beim Dow Jones angewandt werden, siehe Grafik unten.
Es gibt natürlich noch mehr interessanter Fakten, so hat Ben Jacobsen, Finanzprofessor an der Massey University herausgefunden, dass weltweit von 37 Aktienmärkten 36 sich im Sommer schlechter entwickeln als im Winter. Die HypoVereinsbank hat ein Musterdepot auf Basis dieser Strategie betrieben und hier sind die jährlichen Renditen:
- 1989= 33,1
- 1990= 12,3
- 1991= 13,9
- 1992= 7,9
- 1993= 38,1
- 1994= -0,8
- 1995= 8,5
- 1996= 19,5
- 1997= 56,7
- 1998= 54,5
- 1999= 37,8
- 2000= -2,2
- 2001= 9,1
- 2002= -25,1
- 2003= 47,1
- 2004= 5,4
- 2005= 20,3
- 2006= 14,2
- 2007= 15,4
- 2008= -35,7
- 2009= 15,0
Ich denke diese Werte sprechen eindeutig für sich. Mit diesem Anlagesystem konnten im Durchschnitt jährlich 14,1 Prozent Rendite erzielt werden.
Wie können diese Schwankungen erklärt werden?
„Fondsmanager verhalten sich also gerade zu Jahresbeginn nicht anders als Formel-1-Fahrer: Sie versuchen, möglichst gut vom Start wegzukommen und sich einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz zu sichern,…Viele haben überdurchschnittliche Gewinne gemacht und versuchen, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen.“ Experten von der ABN- Amro Bank
Das bedeutet, dass also institutionelle Investoren wie Fonds, Pensionskassen und Versicherungen diese Schwankungen verursachen. Der Trend zum Risiko nimmt also zum Ende des Jahres ab und die Portfoliomanager sind nicht mehr so aggressiv wie zu Jahresbeginn. Zum Schluss möchte ich euch noch meine Börsenweisheit- Formulierung vorstellen, einmal eine regionale und einmal eine internationale Version:
„Halt dich von August bis Oktober von den Aktienmärkten fern, denn dann regieren die Bären!“
„Sale at the End of July and at the beginning of October buy.”
Das war auch schon der zweite Teil meiner umfassenden Börsenstrategieserie, die nächste Strategie wird die Value- Growth Strategie werden. Ihr dürft also gespannt sein.
Liebe Grüße
Martin






