Aufschwung abschaffen: Millionär bietet Geld für Freiheit
Was auf den ersten Blick so skurril scheint, ist vielleicht gar nicht so abwegig:
Der australische Millionär Dick Smith hat einen Preis ausgeschrieben für die Lösung des Wirtschaftsparadoxons: So bietet er einem Nachwuchsdenker unter 30 Jahren eine Million australischer Dollar (etwa 700 000 EUR) für die endgültige Idee, das Wirtschaftswachstum nachhaltig aufzuhalten.
Der Wilberforce Award
In Anlehnung an den Briten William Wilberforce, der seinerzeit gegen die Sklaverei kämpfte – entgegen der allgemein gültigen Auffassung zu der Zeit, dass die Weltwirtschaft ohne die Arbeitskraft der Sklaven zusammenbräche.
Entwicklung statt Wachstum
Vor diesem Hintergrund erscheint die Idee vielleicht umso einleuchtender: Smith will gewissermaßen das Hamsterrad bekämpfen, dass den Bürger und durchschnittlichen Arbeiter zum Zinssklaven macht. Dabei ist die Idee nicht neu: Gesellschaftsdesigner und Wirtschaftsphilosophen wie Jacque Fresco arbeiten bereits seit über 60 Jahren an einer Weiterentwicklung heraus aus dem derzeit bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystem hin zu einer ressourcenbasierten Gesellschaft:
Jacque Fresco und das Venus Project
Im Rahmen des Venus Projects entwickelt Fresco gemeinsam mit einem weltweit agierenden Beraterstab innovative Future Technology and Society Konzepte. Eine der Kernideen ist die Abschaffung der finanzorientierten Ellenbogengesellschaft mit Fokus auf rein wirtschaftliches Wachstum und persönlichen Profit. Im Gegenzug soll ein höchsteffizienter Einsatz der zur Verfügung stehenden Ressourcen mit einem maximalen gesamtgesellschaftlichen Nutzen etabliert werden.
Entschleunigung und nachhaltige Entwicklung
Dies würde sich laut Fresco automatisch auf sämtlichen Ebenen – von der (Aus)Bildung über den Arbeitsmarkt und die Forschung bis hin zum gesellschaftlichen Miteinander – in einer optimalen individuellen Förderung äußern, da der Einzelne in der Gesellschaft bereits einen gewissen Stellenwert allein durch seine Fähigkeiten, Ideen und Kreativität innehätte. Durch den Wegfall des Zinsdrucks könnte man eine entscheidende Entschleunigung erreichen, die eine technologische Entwicklung zwar langsamer, aber dadurch nachhaltiger und qualitativ hochwertiger machen würde; gleichzeitig könnten neue Technologien in einem entsprechend der gesellschaftlichen Entwicklung gesund angepassten Tempo weiter entwickelt werden, was den gesamtgesellschaftlichen Nutzen aus technologischen Innovationen insgesamt wiederum steigen lässt.
Das Credo lautet: Entwicklung statt Wachstum!
Die Abkehr von der finanzorientierten hin zu einer ressourcenbasierten Wirtschaft hätte darüber hinaus einen weiteren, sehr entscheidenden Vorteil:
Stehen die Ressourcen zur Verfügung, ist die Frage um die Kosten hinfällig. Wichtig ist nur der Nutzen. Dadurch würden Infrastrukturprojekte wesentlich angeregt, denn der gesamtgesellschaftliche Nutzen dieser Investitionen ist stets besonders hoch. Foschungsprojekte in Kernwaffen dagegen hätten schlechte Chancen, denn erstens ist die gesellschaftliche Befürwortung von Atombomben eher gering, vom gesellschaftlichen Nutzen ganz zu schweigen.
Fazit
Mit dem Wilberforce Award geht Dick Smith nur einen weiteren logischen Schritt in der menschlichen Entwicklung. Denn angesichts der wachsenden globalökonomischen Unsicherheit und den zahlreichen Skandalen um markterschütternde Einflussnahmen durch Insider und Spekulanten wächst der Wunsch bei den Menschen in allen Ländern, in allen Volkswirtschaften, nach einem neuen, einem weiterentwickelten Wirtschaftssystem.
Fest steht, dass sowohl die Marktwirtschaft als auch die Planwirtschaft in all ihren mal mehr, mal weniger extremen Formen bisher kläglich gescheitert sind – das war bisher stets nur eine Frage der Zeit. Die Botschaft von Dick Smith ist daher klar: Um den nächsten unvermeidlichen Kollaps zu vermeiden, müssen wir das Wachstum in den Griff kriegen.
Die Zeit ist reif für eine neue Idee!
Quellen:
http://wissen.dradio.de/index.59.de.html?drn:news_id=17030&drn:date=1281520800
http://diepresse.com/home/panorama/welt/586919/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/welt/index.do
http://www.theaustralian.com.au/business/news/dick-smith-offers-1m-for-person-who-reduces-population-with-wilberforce-award/story-e6frg90f-1225903979862
www.thevenusproject.com
